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Berliner Zeitung 16.11.2004Zu Beginn des Films dreht sich die Kamera einmal um sich selbst. Man sieht Gestrüpp, Gerümpel, eine Fabrikruine - Ödland, durch das der Wind pfeift. Was man eigentlich sieht ist: Nichts, Brachland, eine Leerstelle inmitten Berlins. Ein physisches Zeichen des Nicht-Mehr und Noch-Nicht. Von diesen Orten wird man in den nächsten 80 Minuten viele sehen. Verbarrikadierte Geschäfte in Manchester und Liverpool, gespenstisch entleerte Stadtareale in Dessau, Wolfen, Halle Neustadt, aber auch verlassene Wohnblöcke in Bremen und Salzgitter. Die beiden Filmemacher Daniel Kunle und Holger Lauinger zeigen in "Nicht-Mehr | Noch-Nicht" die erschreckende Realität schrumpfender Städte, dem Negativ aller urbanistischen Ideale von funktionaler Dichte und Wachstum. Zwischen die Brachen geschnittene Interviews mit Architekten und Stadtplanern verstärken dabei den Eindruck, dass für diesen Strukturwandel kaum planerische Konzepte existieren. Der Film belässt es aber nicht bei einer resignativen Analyse, und das macht ihn interessanter als die meisten Beiträge zum Phänomen "shrinking cities". Kunle und Lauinger haben in Deutschland und den Niederlanden nach Beispielen gesucht, welche Möglichkeiten Brachen als Ausgangspunkt einer kulturellen Erneuerung unserer Städte bieten. Sie sind dabei auf Projekte kurzfristiger und dauerhafter Besetzung und Umnutzung gestoßen: temporäre Landnahme in Dietzenbach, Werftbesetzung durch Künstler in Amsterdam, Ferropolis, Hotel Neustadt in Halle. Beispiele für einen experimentellen Urbanismus und für Menschen, die Freiräume unkonventionell füllen - die, wie es der Architekturkritiker Wolgang Kil an einer Stelle des Films sagt, "den Luxus der Leere" nutzen. Bernd Ziegenbalg By gaia at 06/12/2005 - 10:57 | Druckversion
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