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Fußnote, Stadtmagazin RostockIm Rahmen einer Veranstaltungsreihe zur demographischen Entwicklung in MV luden die Heinrich Böll-stiftung und das Rostocker Lokalradio LOHRO zu einem Filmabend in das Lichtspieltheater Wundervoll LiWu ein. Gezeigt wurde das Dokumentarfilmessay "Nicht-Mehr | Noch-Nicht" von Daniel Kunle und Holger Lauinger, in dem der zunehmende Wohnungsleerstand und die Stadtbrachen, sichtbare Zeichen schrumpfender Städte thematisiert werden. Viele EinwohnerInnen, Geschäftsleute oder lokale Politiker empfinden diese, aus den sich zurückentwickelnden Bevölkerungszahlen, resultierenden Symptome als negativ. Aber ist das unbedingt so? Die Praxisbeispiele ("Noch-Nicht") stellen einen Querschnitt an Projekten dar, die sich der Zwischen- oder Nachnutzung von Freiräumen verschrieben haben. Auffällig ist, immer gabe es eine Gruppe von Leuten (gesellschaftliche Akteure), die erst einmal die Initiative ergriffen haben. Einige Beispiele sind nicht ganz so representativ, wie ich finde, weil sie eher an der Entwicklung der Inszenierung von Städten ("Disneyfizierung"/ "Stadt als Themenpark") entsprechen, zB. "Hotel Neustadt" und "Ferropolis". Zumindestem erstem kann zu gute gehalten werden, dass hier der Verusch unternommen wurde, den Einwohnerinnen von Halle einfach mal zu zeigen, was möglich ist. Für mich ist das die Problematik am treffendste Projekt "100qm Dietzenbach". "Der größte Planungsfehler der bundesrepublikanischen Stadtplanung" sollte Anfang der 80er Jahre als Entlastung für Frankfurt am Main dienen und das Örtchen Dietzenbach von 6.000 auf 60.000 Einwohner katapultieren. Hingezogen sind gerade mal die Hälfte der Menschen, mit der Folge dass zuviel an Wohnraum, Verkehrsfläche und Brachfläche mitten im Ort vorhanden ist. In einer temporären Landnahmeaktion konnten DietzenbacherInnen sich 100 qm große Claims abstecken und Vorschläge für die Nutzung unterbreiten. Es kamen vor allem MigrantInnen und BewohnerInnen der anliegenden Neubausiedlung, die sich größtenteils eine Gartennutzung wünschten. So ganz spielte die Stadtverwaltung aber doch nicht mit und verlangte 500 Euro Kaution und den üblichen Bürokratiekram. Da war es schnell vorbei mit der Landnahme - bis auf eine Handvoll Kinder, die (ganz david gegen Goliath) vor der versammelten Bürgerschaft ihren Hühnerstall verteidigten. Der fiktive Buchwert war den Stadtobersten dann doch wichtiger, als das bürgerschaftliche Engagement und ich denke an der Problematik dürften wohl zZ. noch die meisten Bestrebungen für ein anders geartetes Aneignen von Freiflächen scheitern. Wie sieht es bei uns aus? (Industrie-)Brachen gibt es genug. Die Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern können ein Lied davon singen, wie die Leute davon laufen. Ist mensch in den kleinen Städten und Dörfern vielleicht noch froh, dass als erstes die das Ortsbild nicht unbedingt positiv prägenden Plattenbauten geschliffen werden, nimmt es in den größeren Städten wahrnehmbar größere Ausmaße an, wenn auch die Innenstädte bis auf ungenutzte Gewerbeflächen verschont bleiben. Da fehlt in den ehemals so genannten "Neubaugebieten" (eigentlich sind die neuen "Ghettos ja die Reihenhaussiedlungen im "Speckgürtel" dann dort auf einmal ein Hochhaus, woanders eine ganze Plattenbauzeile. Für Wolfgang Kil sind das u.a. auch die sichtbaren Folgen einer Neoliberalisierung, die im Osten keine postindustriellen sondern deindustrialisierte Verhältnisse herbei führt und deshalb unabhängig von Geburtenknicken und ähnlichem zu sehen ist. Es wird sich also zeigen müssen, inwiefern die "Verantwortlichen", aber vielwichtiger noch die Menschen, die hier leben, die möglichen oben aufgezeigten Chancen erkennen. Im Film steht auf einer Berliner Mauer als Graffiti "But the don`t decide. We do! We create our own destiny and our own life!". Dem ist nichts hinzuzufügen, außer eins - der Film ist im übrigen mit langen ruhigen Kameraschwenks sehr schön fotografiert. Ronald Zeug |