Das Projekt "Hotel Neustadt" war eine Vision für einen neuen öffentlichen Ort im Zentrum Halle-Neustadts, einem Stadtteil, den viele Menschen verlassen. Gemeinsam mit dem Hallenseschen Thalia-Theater inszenierte der darstellende Architekt Benjamin Förster-Baldenius (raumlabor berlin) städtisches Leben in einem leerstehenden, 13geschössigen Plattenbau. Besucher konnten spielerisch Stadt erleben, an einem Ort wo Urbanität zu verschwinden droht. Benjamin Föster-Baldenius stellt das Projekt und die Hintergründe vor.
In der ländlichen Peripherie Sachsen-Anhalts wurde aus ehemaligen Tagebaubaggern der neue Kulturort Ferropolis geschaffen. Er soll als Standort wirtschaftlichen Aufschwung in der Region bringen. "Wenn aus Stadt Brache wird, kann dann auch aus Brache Stadt entstehen?" Der Regionalplaner Dr. Harald Kegler berichtet über die Funktion von Ferropolis im Stadtumbau.
Auch in Städten Westdeutschlands reichen Brachflächen bisweilen bis vor die Türen des Ratshauses. Doch warum fällt die Wahr-
nehmung und Akzeptanz dieses Phänomens so schwer?
Der Stadtplaner Martin Wilhelm (Büro MWAS) erläutert die kuriose städtebauliche Situation der Stadt Dietzenbach und den Versuch der temporären Landnahme im Rahmen des Projektes "100 qm Dietzenbach". Die Bürger der Zwischenstadt waren aufgefordert die allgegenwärtigen Brachen temporär mit eigenen Setzungen auf 100qm in Besitz zu nehmen. Ein Hühnerhof wird zum Symbol des "missing link" zwischen Bürgern und ihrer Verwaltung.
Urban Catalyst ist ein EU-Forschungsprojekt über temporäre Nutzungen auf städtischen Brachflächen. Die Initiatoren Klaus Overmeyer und Prof. Philipp Oswalt verweisen auf dem Areal des ehemaligen Wriezener Bahnhofs auf die notwendige Integration von neuen Akteuren und informellen Nutzungen in die Strategien der Stadtplanung - insbesondere bei der finanziellen Haushaltslage der Metropole Berlin. Die erläuternden Beobachtungen der Planer bilden den inhaltlichen Rahmen der Projekte "Zwischenpalastnutzung" und des "Broedplaatsfonds Amsterdam".
"Zwischenpalastnutzung oder Luftschloss?" In der Diskussion um den brachgefallenen Palast der Republik in der Mitte Berlins spiegelt sich die bundesdeutsche Malaise zwischen halluzinatorischem Wiederaufbauglaube von konservativem Schlossfassaden oder der pragmatischen Wahrnehmung der Potenziale des vorhandenen Ortes. Allein jenseits des ideologischen Bilderstreits fehlen die Finanzen für den vom Bundestag beschlossenen Abriss des Palasts. Die kulturelle Zwischenpalastnutzung will die Symbolik des Ortes nutzen, um innovative und neue Formen städtischen Lebens ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Der Palast wird zum prominenten, bundesweit kommunizierbaren Beispiel für die vielen kleingeistigen und langwierigen Diskussionen anderenorts über das Öffnen brachgefallener Möglichkeitsräume. Aufnahmen eines Klassik-Konzerts als Vorboten der kulturellen Zwischennutzung stellen die eigentümliche Ästhetik und Potenziale des unliebsamen Areals sinnlich dar.
"Creative City Amsterdam!?" Amsterdam öffnete mittels der kommunalen Strategie der "Brutplaatsfonds" leerstehende Räume in der Stadt. Aus Geldern der staatlichen Lotterie wurden die temporäre Inbesitznahme und der Aufbau von Infrastrukturen durch Kulturschaffende gefördert. Kultur und Kreativität soll Nicht-Orte in attraktive, verwertbare Adressen verwandeln. Der ehemalige Squater und kommunale Berater Jaap Draaisma (Büro de Verandering) spricht über Chancen und Instrumentalisierung der "Brutplätze". Die künstlerische Leiterin Eva de Klerk stellt das Projekt Kinetisch Noord auf der ehemaligen Schiffswerft NDSM vor. Auf der Werft wird Künstlern Platz für die verschiedenartigsten Laboratorien geboten. Das kulturelle Angebot soll helfen die städtebauliche Entwicklung des Stadtteils Amsterdam Noord voranzutreiben.
"Wem gehört die Stadt?" Im Kiez von St. Pauli verhinderten Anwohner den Bau eines Riegels von Luxuswohnungen am Elbufer und entwickelten für die letzte verbleibende Freifläche das Konzept der "kollektiven Wunschproduktion". Aus Stadtkonsumenten sollten Stadtproduzenten werden. Das Ergebnis des Projekts "Park Fiction" ist ein artifizieller People-Park: Erdbeerbäume, fliegende Teppiche, Palmen am Hafenrand, ein blutrotleuchtender Seeräuberinnenbrunnen und vieles mehr. Doch kann man am Design des Parks die Bedeutung und die Kämpfe um den Ort erkennen? Die Filmemacherin Margit Czenki und der Künstler Christoph Schäfer erläutern die radikale Intention des Projekts und dessen über den Ort hinausgehende Bedeutung. Kann die Wunschproduktion auch ein Modell für das Öffnen von Räumen in anderen Städten sein?