Der Film enthält in der aktuellen Recherche der gegenwärtigen Situation brisanten Zündstoff, der bislang von Politik noch Verwaltung zur Kenntnis genommen wurde. Aufnahmen entleerter Stadtareale in Ost- und Westdeutschland wie in Dessau, Wolfen, Leipzig, Halle Neustadt, Salzgitter und Bremen sind ein aufschlussreiches Zeitdokument voller eindringlicher Motive mit fast apokalyptischen Dimensionen. Erst über die unergründliche Macht der Bilder bekommt das statistisch anmutende Phänomen eine überzeugende Form. Verbarrikadierte Häuser und Geschäfte, stillgelegte Bahnhöfe, abgesperrte Stadtareale, halb abgerissene Investitionsruinen. Dass das Gespenst der Leere global umgeht, zeigen Beispiele aus Manchester, Liverpool und Amsterdam. Interviews mit Städteplanern und Architekturtheoretikern verdeutlichen die Unbestimmtheit des Problems, zu dessen Lösung noch keinerlei Erfahrungen vorliegen. Architektur und Städteplanung stecken offenkundig in einer Sackgasse, da Wachstumsphasen in Schrumpfungsprozesse umschlagen. Durch Information und Bildkraft gelingt es der Dokumentation, das Bewusstsein für diese dramatische "Epochenwende" zu schärfen und dennoch einen Hoffnungsschimmer am Horizont aufzuzeigen.
Petra Schröck