Intention

Schrumpfende Städte und urbane Brachen - die Stadtentwicklung der Zukunft wird von einem großen Maß an "Unbestimmtheit" geprägt sein. Die Dimension des sich rasant entwickelnden Gebäude- und Flächenleerstands in vielen Städten ist noch nicht ausreichend im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert. Politik und Planung handeln mit Konzepten, die den Anforderungen der Problematik nicht gewachsen sind. Wie so oft die "Zivilgesellschaft" zur Lösung verpflichtet werden. Doch es besteht ein allgemeiner Mangel an aufrichtiger Kommunikation und Diskussion...

Das dokumentarische Filmessay "Nicht-Mehr | Noch-Nicht" wurde von uns bewusst als kommunizierendes Medium für die Diskussionen vor Ort entwickelt. Das Dokument verdeutlicht die Brisanz einer "scheinbar abseitigen" Thematik und stellt die Frage nach dem Gebrauchswert der Brachflächen: Können die urbanen Brachen ein kultureller Möglichkeitsraum sein?

Noch-Nicht - In Teil II der Dokumentation wird ein Querschnitt an Projekten dargestellt, die sich der sozialen Aneignung von Brachflächen verschrieben haben. Verantwortliche Akteure präsentieren die Intention ihrer Projekte, ebenso die Problematik und Kämpfe, um die Freiräume. Zu sehen ist ein Puzzle gleichzeitiger Ungleichzeitigkeit lokaler Kontexte in der Diskussion um Nutzung von nicht verwertbarem Raum. Von der "temporären" Nutzung zur verstetigten Flächenbesetzung - baut sich die Frage nach kulturellem Gebrauchswert und Eigentum auf. Eine Antwort wird nicht vorgegeben, jeder Ort sucht sich seine Diskussion!

Ein Film geht auf Reisen! Das Dokument entstand in den Jahren 2003 und 2004. Seit dieser Zeit wandert es konstant durch die verschiedenen Regionen Deutschlands und regt die öffentliche Diskussion an. Zu den Nachfragern gehören mittlerweile Landesministerien, Landeszentralen für politische Bildung, politische Stiftungen, Architektur-Stiftungen, Universitäten, Hochschulen, Planervereinigungen, Kommunen, soziokulturelle Zentren und Bürgerinitiativen. Nach über einem Jahr Reise wird der Film weiterhin konstant nachgefragt. Die vielen lokalen Diskussionen belegen den hohen öffentlichen Gebrauchswert der Dokumentation.

Die Wahrnehmungen und Erfahrungen, die wir seit der Fertigstellung machen, stellen sich für uns wie ein "Film nach dem Film" dar. Wer geht wo wie mit der Problematik um, welche Schwerpunkte werden in den Diskussionen gesucht? In Hoyerswerda löste der Film zur Entspannung in der öffentlichen Diskussion bei. Ein prominentes Kunstprojekt zum Stadtumbau wurde im Nachhinein von der Rolle eines "Nestbeschmutzers" freigesprochen. In Bitterfeld/Wolfen wurde für die Stadt ein scheinbar tabuisiertes Thema öffentlich ansprechbar. In Annaberg diente der Film der Kommune die Wohnungsgesellschaft an ihre Verantwortung zu erinnern. In Frankfurt a. M. wurde auf Einladung des Stadtsalons die zukünftige Rolle der Planung diskutiert, in Düsseldorf im Rahmen der Kulturgruppe stadtraum.org die Problematik bis zur Systemfrage analysiert.
In vielen Universitäten dient der Film auf Wunsch einer jungen Generation von Planern zur Lehre.

Nicht-Mehr | Noch-Nicht wurde von den Autoren eigenständig vorfinanziert.
Nach circa einem Jahr Laufzeit wurden die Kosten für die Materialien wieder eingespielt...
Der Dank der Autoren gilt besonders den Protagonisten im Film und den zahlreichen nachfragenden Personen und Institutionen, die das Projekt zu einem Erfolg werden ließen.

Daniel Kunle & Holger Lauinger