Rosa-Luxemburg-Stiftung, Chemnitz

Die Jugend will in Chemnitz bleiben...
Der Raum ist gefüllt, das Podium ist noch leer, die Gäste sind junge Menschen: Schüler, Auszubildende, Studenten dazwischen interessierte Chemnitzer jeden Alters. Es geht heute um ihre Stadt. Die Probleme kennen alle: Abwanderung, Wohnungsabriss, „Überalterung“. Doch was kann getan werden? Holger Lauinger ist heute zu Gast, Regisseur und Filmemacher. Er hat sie auf Zelluloid gebannt, die Probleme der Städte, den Verfall, die leer stehenden Häuser – in Berlin, Hamburg, Weimar, Leipzig, in Ost und West. Er weiß, schrumpfende Städte gibt es überall in Deutschland.
Der Film beginnt und alle werden mit der Realität konfrontiert, Dorfstraßen ohne Einwohner, Stadtviertel in denen Unkraut wuchert, nur hier und da ein streunender Hund. WAS TUN ?! Architekten und Landschaftsplaner kommen zu Wort. Das Gute ist: Sie geben Antworten, wie die leeren Flächen mit Leben gefüllt werden können, was der Mensch tun kann, um dem Schrumpfen der Städte Positives abzugewinnen. Künstler, kreative Menschen erobern den Raum, alternative Wohnkonzepte werden gelebt - Urbanisierung der Brachen - Kultur in Beton und Eisen. Wo Kunst sich betätigt, kommen die Investoren und wo Leben sich regt, kommt neues nach. Die Antworten klingen einfach, die Umsetzung erfordert – wie die Bilder zeigen – hohes Engagement des Einzelnen, gegen Bürokratie, mit Courage. Am Ende des Films bleiben Fragen – diesen stellen sich Stadtrat Patrick Pritscha und Holger Lauinger, denn nun wird es konkret: Wie können Jugendliche in Chemnitz gestalterisch, kreativ und lebendig wirken, der Wohnraum ist da, aber warum wird er abgerissen, warum wird er verknappt, obwohl sich viele – besonders die junge Generation - eigene Wohnungen nicht leisten können. Es stellt sich heraus, diese einfachen Fragen stellen die Eigentumsfrage, wer bestimmt den Mietpreis, für wen ist die Stadt da, für den Besitzenden von Wohnungseigentum oder für den Bürger, der diese Stadt am Leben erhält? Fast alle Fragen klingen wie Systemkritik, dabei ist es oft nur die Frage nach der Zukunft. Nach dreieinhalb Stunden Film, Fragen und Nachdenken besteht immer noch Diskussionsbedarf. Die Beteiligten erhalten das Versprechen, dass diese Art von Themen: Stadtentwicklung, Stadtumbau, städtische Lebensart und alternatives Leben, weiter im Programm der Rosa-Luxemburg Stiftung bleiben. Die Suche nach Lösungen wird fortgesetzt. Die RLS hat es in Zusammenarbeit mit kompetenten Gesprächspartnern geschafft, alternatives Denken und linke Inhalte in die Öffentlichkeit zu transportieren. Politische Bildung gelingt eben nur mit anderen. Diese Veranstaltung machte Hoffnung.
Thiemo Kirmse, Leiter RosaLux Chemnitz